Man liest, die „Deutschland sei pleite und ich kann nicht
sagen, dass mich die Nachricht übermäßig traurig macht, obwohl ich mit diesem
Schiff einige Erinnerungen verbinde.
Ich bin zweimal auf Einladung des Traumschiff-Produzenten
mitgefahren, einmal in Asien und einmal den Amazonas runter und über den
Atlantik. Es waren für mich interessante und schöne Reisen, auf denen ich
einige Drehbücher geschrieben habe. Mir gefiel die Atmosphäre an Bord, das
Zusammenleben mit dem Produktionsteam, das Essen sowieso und die relativ
ungefährliche Art, fremde Länder zu sehen. Wir hatten unseren Spaß, freundeten
uns besonders mit einem Barpianisten und dem Kapitän an und es war einfach eine
gute Zeit.
Jahre später dachte ich, es sei eine tolle Idee, auf dem Schiff eine
Nordlandreise nach Island und Grönland in drei Generationen zu unternehmen. Ich
fuhr mit meinem Vater und meinem Ältesten und alles war ganz anderes. Vor
allem fürchterlich. Ich hatte einen massiven Denkfehler in meinen Planungen.
Die vorangegangenen Reisen hatte ich nämlich nicht als „Passagier“ gemacht. Wir
waren als Filmteam zwar auf dem Schiff gewesen, aber wir waren eine eigene,
kleine Gesellschaft, die mit den anderen Reisenden kaum Berührungspunkte hatte.
Doch nun waren wir als Vollzahler unterwegs und
realisierten, dass wir einen Exotenstatus hatten. Mein Sohn war mit seinen 14
mit Abstand der Jüngste der Passagiere und der Altersschnitt lag bei
geschätzten 75. Unser Ozeanpianist war von irgendwelchen drittklassigen
Sportfesthammondorgelalleinunterhaltern ersetzt worden, die nicht mal den
richtigen Text von „Countryroads“ kannten, das sie allabendlich jaulten und unser
Kapitän war inzwischen gefeuert, weil er gegen das Ausflaggen des Schiffs protestiert hatte. Unterhaltungs“künstler“, die man in München
nicht in der Fußgängerzone geduldet hätte, machten „Programm“ und die Häfen die
angelaufen wurden, waren nicht nach Sehenswürdigkeiten ausgesucht, sondern nach
dem Preis der Liegeplätze.
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Schnell zurück, es gibt Essen! |
Den Passagieren machte das nichts aus, da sie sich sowieso
in allererster Linie für eines interessierten: Acht warme Mahlzeiten am Tag,
von denen keine verpasst werden durfte.
Kurz: Es war die Hölle auf der Welle. Denn es kam noch dazu,
dass immer wieder mehrere Seetage eingeschoben wurden, auf denen das Schiff
erbärmlich schaukelte. Die Bunker waren auf der Rückfahrt leer, das Essen wurde
immer schlechter und unter den Insassen des Schwimmenden Altersheims hatten
sich genügend Feindschaften gebildet, um für die Unterhaltung der verbiesterten
und futterneidischen (!) Mitreisenden zu sorgen. Neben der nächsten Mahlzeit
war das das Hauptthema jeder Unterhaltung an den Tischen. Wie furchtbar der
oder die oder das sei und wer was gesagt oder nicht gesagt hat. Und was die
anderen alles essen und wieviel.Und dabei habe ich Reservierungs-Decken auf den Deckchairs noch gar nicht erwähnt.
Insgesamt war es eine der übelsten und gleichzeitig teuerste
Reisen meines Lebens. Selten bin ich mir so deplatziert und abgezockt
vorgekommen, wie auf dieser Nordlandfahrt.
Die Reederei wurde nicht müde, mir
immer wieder die neuesten Prospekte zu schicken, die ungelesen im Altpapier
landeten. Wenigstens davon dürfte ich in Zukunft verschont bleiben.
Dieses „Traumschiff“ werde ich ganz sicher nicht vermissen.
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