Und hier sind die nächsten cinematographischen Ereignisse, die ich bewundern durfte.
Gestern hatte ich den Tag der mittel- und südamerikanischen Landwirtschaft...
La mujer de barro
Vor zehn Jahren vergewaltigte, chilenische Landarbeiterin kehrt auf die Plantage zurück, wo das geschah, um dort wieder zu arbeiten. In ruhigen Bildern und langen Einstellungen ohne jede Hektik erzählte Geschichte über eine Form der modernen Sklaverei. Hat schon mal jemand darüber nachgedacht, woher die dicken, blauen Trauben kommen, die man Weihnachten kaufen kann?
Ixancul
Und nun Guatemala. Wieder Landbau, hier am Hang eines Vulkans und unter Mayas. Ein Mädchen, das dem Aufseher als "Ersatz"-frau versprochen ist, lässt sich von einem anderen schwängern. Mit Laiendarstellern inszeniert, die zwischen overacting und no acting at all agieren, zeigt interessante Aspekte des heutigen Lebens von Ureinwohnern und bekommt erst ganz zum Schluss ein paar wirklich überraschende Wendungen. Erinnert aber für mich fatal an den Tag aus dem Leben eines Eisensammlers, der die Berlinale gewann... Könnte also ein Kandidat sein.
Journal d'une femme de chambre
Unterhaltsames Kostümfastdrama um ein Zimmermädchen Ende des 19. Jahrhunderts. Aber mit völlig unausgegorenen, plakativen Charakteren, ohne Zielrichtung oder auch nur eine Story. Die Bild gewordene Irrelevanz.
Was haben die Franzosen der Festivalleitung getan, dass immer so ein Kram ihr Land auf der Berlinale präsentieren muss?!
Paper Planes
Australischer Kinderfilm über einen Halbwaisen, der durch Zufall ein Talent im Papierfliegerfalten entdeckt und zu Meisterschaften fährt. Mit großartigen Darstellern gesegneter Wohlfühlfilm, nicht ohne Drama und Tiefgang, der genau so ausgeht, wie man es sich wünscht.
Sonntag, 8. Februar 2015
Samstag, 7. Februar 2015
Meine kleine Berlinale
Ich gehöre ja zu den wenigen Berlinale Besuchern, die sich Filme anschauen. Ich meine Fachbesuchern. Die meisten aus der Branche kommen her, um zu aquirieren, intrigieren, Strippen zu ziehen, seitenspringen, häppchenschlingen, networken.
Ich bin so unbedeutend (Autor eben...), dass ich kaum eine Einladung bekomme.
Daher treibe ich mich in Kinosälen herum und hole mir meine alljährliche Überdosis.
Bisher gesehen:
Sangue Azul
Zwei Stunden lang rammelt jeder jeden auf einer brasilianischen Insel im Atlantik, mit ein wenig Familienmelodram, Zirkusromantik, Mystik und einigen großartigen Einstellungen.
Südamerikanisches Kino eben...
600 Milas
Kleines, dreckiges, mexikanisch-amerikanisches Roadmovie. Kurz, aber funktioniert.
45 Years
Großartige Schauspieler in einem Hörspiel mit ein paar Bildern. Warum in aller Welt läuft ein Fernsehspiel der Gegenwart im Wettbewerbsprogramm der Berlinale?!
Ich bin so unbedeutend (Autor eben...), dass ich kaum eine Einladung bekomme.
Daher treibe ich mich in Kinosälen herum und hole mir meine alljährliche Überdosis.
Bisher gesehen:
Sangue Azul
Zwei Stunden lang rammelt jeder jeden auf einer brasilianischen Insel im Atlantik, mit ein wenig Familienmelodram, Zirkusromantik, Mystik und einigen großartigen Einstellungen.
Südamerikanisches Kino eben...
600 Milas
Kleines, dreckiges, mexikanisch-amerikanisches Roadmovie. Kurz, aber funktioniert.
45 Years
Großartige Schauspieler in einem Hörspiel mit ein paar Bildern. Warum in aller Welt läuft ein Fernsehspiel der Gegenwart im Wettbewerbsprogramm der Berlinale?!
Sonntag, 1. Februar 2015
Kein Entkommen
Mir persönlich ist es herzlich gleichgültig, welcher C- bis D-"Promi" sich nicht entblödet, sich eine Weile im Dreck zu wälzen und seine Genitalien einer lechzenden televisionären Meute preiszugeben. Ich MUSS mir so etwas ja nicht ansehen. Was ich auch nicht mache. Meine Zeit ist mir wirklich zu schade für diese niederste Form der Fernseh"unterhaltung".
Was mir jedoch in den letzten Wochen gewaltig auf die Nerven gegangen ist, ist die Tatsache, dass ich TROTZDEM dieser Peepshow nicht entkommen konnte. Es gibt sechs mehr oder weniger seriöse Nachrichtenkanäle, die ich täglich mehrfach im Internet konsultiere - und JEDER von diesen berichtete aus dem Dschungel. Mit Bildern, prominent platziert und wieder und wieder und wieder. Ich habe keinen Artikel gelesen - und trotzdem bin ich nur anhand des unvermeidlichen Schlagzeilen-Scannens jederzeit im Bilde gewesen, was sich in Australien (?) im Fernsehlabor so alles tat. Dabei spielte keine Rolle, dass ich es nicht wissen WOLLTE. Ich konnte diesem hochpeinlichen Treiben einfach nicht entkommen.
Was soll der Mensch also tun, der partout nicht im Dschungel campen will? Muss er sich für die kommende Spielzeit in eine Höhle zurückziehen und erst wieder hervorkommen, wenn man fertig hat?
Montag, 26. Januar 2015
Große, bunte Sportbilder
Seit vielen Jahren ist sport1.de ein fester Bestandteil meiner Favoriten und damit meines informationstechnischen Tagesprogramms. Die Seite war nicht immer tiefschürfend, häufiger mit peinlichen Diskrepanzen zwischen Überschrift und Inhalt gesegnet, wies ständig erbärmliche Übersetzungsfehlern auf, die dokumentierten, dass der Abschreiber völlig ahnungslos war, sobald es US-Sport betraf, aber sie gab eine relativ aktuelle Übersicht über das internationale Sportgeschehen.
Aus diesem Geschäft hat sich sport1.de nun vollständig zurückgezogen.
Die Seite erfuhr eine Generalüberholung, mit einschneidenden Folgen. Der Textanteil ist auf ca 10% zurückgegangen, die Übersichtlichkeit auf ein Niveau noch darunter und es dominieren riesige, nichtssagende Bilder und Holperschlagzeilen. Alles ist klotzig und offenbar "smartphoneoptimiert". Nachrichten (und Werbung) im Twitter-Stil ist allem Anschein nach das neue "journalistische" Prinzip. Nichts zu berichten, aber das wenigstens schön groß und bunt.
Ich habe kein Smartphone. Ich gehe mit etwas so Altertümlichem wie einem PC ins Internet. Ich lese gerne mehr als drei Zeilen zu einem Thema und Texte, die nicht lediglich das auswalzen, was die schreierischen Überschriften schon vermittelt haben.
Wer hätte das gedacht, dass ich mit diesen Wünschen und dieser Art Medienkonsum in der ach so schnellen digitalen und Netzwelt einmal zu einer zu vernachlässigenden Randgruppe gehören könnte?
Für mich heißt es jedenfalls: Leb wohl Sport1.de.
"Sind Sie sicher, dass Sie diesen Link löschen wollen?"
"JA!"
Donnerstag, 15. Januar 2015
Nichtfilmisches Schrifttum
Auch wenn so gut wie kein Mensch sich für dieses Blog (ich kann mich immer noch nicht an das neutrale Geschlecht dieser Publikationsform gewöhnen, aber es soll richtig sein, sagt Herr Duden) interessiert, will ich es nicht versäumen, die zwei bis drei Verirrten und die Viagranabieter und die russischen Frauen, die mich heiraten wollen, darauf hinzuweisen, dass ich neben dem Filmgeschäft noch andere Dinge betreibe.
Gerade ist
Band vier meiner MEMIANA Saga erschienen, die sich so ganz langsam und im Schneckentempo zu einem Geheimtip unter Fantasy-Fans mausert. Es geht weiter in der Welt
ohne Pflanzen, in der es niemals dunkel wird und in der jeder Mensch
entweder der Jäger ist - oder die Beute. Meine Helden müssen sich nun
nicht nur mit Raubtieren auf vier, sondern auch mit denen auf zwei
Beinen herumschlagen. Und größenwahnsinnige Pläne drohen, das Gesicht der Welt vollkommen zu verändern...
![]() |
| Memiana Band 4 |
Hier geht es direkt zur Bestellung bei Amazon (e-book only).
Sonntag, 21. Dezember 2014
"Heiter bis tödlich stirbt" - zu spät!
Der gemeine Fernsehzuschauer ist zum einen ein
Gewohnheitstier, zum anderen nicht ganz so dämlich, wie viele glauben. Wenn er
das Gerät einschaltet, dann recht oft, weil er etwas Bestimmtes sehen will.
Es ist daher sinnvoll, in Ankündigungen klar zu sagen, was
den Konsumenten erwartet.
"19:00 Uhr: Fernsehprogramm" würde nicht ganz ausreichen.
Auch: "19:00 Fernsehprogramm, zum Lachen, haha!" wird keine Quotenrekorde garantieren.
Schon gar nicht, wenn es jeden Tag zur selben Zeit in der Programmvorschau
steht.
Genau das hat die ARD versucht. Seit Jahren gibt es nun
täglich Krimi lustig. Weil Leute Krimi lustig sehen wollen,
ganz gleich, was ihnen dann präsentiert wird. Dachten und sagten die
Allgewaltigen und setzten sich durch. Gegen jeden Rat, gegen jede Erkenntnis
und mit einem Reihentitel, den 20jährige heute googeln müssen („Heiter, hm… Ist
das die Wettervorhersage?“), zog man ins Feld, den mausetoten Vorabend zu
revolutionieren.
Die Produzenten waren verzweifelt, die Redakteure waren
verzweifelt, die Autoren und Regisseure waren verzweifelt. Aber die
Programmgewaltigen waren von ihrer Genialität überzeugt. Sie waren es auch dann
noch, als das Konzept so epochal floppte wie alles, das das deutsche Fernsehen
jemals im Reihenbereich versucht hat.
Dann waren es eben die Serien, die Schrott waren – dabei waren/sind
diese genauso, wie es sich die Vorrentner an den Schaltstellen gewünscht
hatten. Steinzeitlich. Der brachiale Didi-Hallvervorden-Palimpalim-Humor, bei
dem unglaublich lustig sein sollende Leute unglaublich lustig sein sollende
Situationen vom Blatt lesen/lasen drückt/e die Sehbeteiligung der propagierten
Zielgruppe unter den Messbereich. Jung, frech und frisch sollte das Programm
sein, doch was herauskam war/ist verstaubt, gequält, humorkastriert und vorvorgestrig.
Nun ist es soweit. Jahre später soll der unsägliche Ober(lehrer)titel
endlich verschwinden. Die Pressestellen haben nun die Pflicht, die intendantische
Totgeburt posthum schönzureden und faseln vom Etablieren einer Marke und erreichten
Zielen.
Klar, Porsche nennt sein Produkt in Zukunft nur noch „Auto“,
weil jeder Porsche jetzt kennt…
„Heiter bis tödlich“ wird also endlich begraben. Tot ist es
ja schon lange.
Mittwoch, 10. Dezember 2014
Das Alptraumschiff
Man liest, die „Deutschland sei pleite und ich kann nicht
sagen, dass mich die Nachricht übermäßig traurig macht, obwohl ich mit diesem
Schiff einige Erinnerungen verbinde.
Ich bin zweimal auf Einladung des Traumschiff-Produzenten
mitgefahren, einmal in Asien und einmal den Amazonas runter und über den
Atlantik. Es waren für mich interessante und schöne Reisen, auf denen ich
einige Drehbücher geschrieben habe. Mir gefiel die Atmosphäre an Bord, das
Zusammenleben mit dem Produktionsteam, das Essen sowieso und die relativ
ungefährliche Art, fremde Länder zu sehen. Wir hatten unseren Spaß, freundeten
uns besonders mit einem Barpianisten und dem Kapitän an und es war einfach eine
gute Zeit.
Jahre später dachte ich, es sei eine tolle Idee, auf dem Schiff eine
Nordlandreise nach Island und Grönland in drei Generationen zu unternehmen. Ich
fuhr mit meinem Vater und meinem Ältesten und alles war ganz anderes. Vor
allem fürchterlich. Ich hatte einen massiven Denkfehler in meinen Planungen.
Die vorangegangenen Reisen hatte ich nämlich nicht als „Passagier“ gemacht. Wir
waren als Filmteam zwar auf dem Schiff gewesen, aber wir waren eine eigene,
kleine Gesellschaft, die mit den anderen Reisenden kaum Berührungspunkte hatte.
Doch nun waren wir als Vollzahler unterwegs und
realisierten, dass wir einen Exotenstatus hatten. Mein Sohn war mit seinen 14
mit Abstand der Jüngste der Passagiere und der Altersschnitt lag bei
geschätzten 75. Unser Ozeanpianist war von irgendwelchen drittklassigen
Sportfesthammondorgelalleinunterhaltern ersetzt worden, die nicht mal den
richtigen Text von „Countryroads“ kannten, das sie allabendlich jaulten und unser
Kapitän war inzwischen gefeuert, weil er gegen das Ausflaggen des Schiffs protestiert hatte. Unterhaltungs“künstler“, die man in München
nicht in der Fußgängerzone geduldet hätte, machten „Programm“ und die Häfen die
angelaufen wurden, waren nicht nach Sehenswürdigkeiten ausgesucht, sondern nach
dem Preis der Liegeplätze.
![]() |
| Schnell zurück, es gibt Essen! |
Den Passagieren machte das nichts aus, da sie sich sowieso
in allererster Linie für eines interessierten: Acht warme Mahlzeiten am Tag,
von denen keine verpasst werden durfte.
Kurz: Es war die Hölle auf der Welle. Denn es kam noch dazu,
dass immer wieder mehrere Seetage eingeschoben wurden, auf denen das Schiff
erbärmlich schaukelte. Die Bunker waren auf der Rückfahrt leer, das Essen wurde
immer schlechter und unter den Insassen des Schwimmenden Altersheims hatten
sich genügend Feindschaften gebildet, um für die Unterhaltung der verbiesterten
und futterneidischen (!) Mitreisenden zu sorgen. Neben der nächsten Mahlzeit
war das das Hauptthema jeder Unterhaltung an den Tischen. Wie furchtbar der
oder die oder das sei und wer was gesagt oder nicht gesagt hat. Und was die
anderen alles essen und wieviel.Und dabei habe ich Reservierungs-Decken auf den Deckchairs noch gar nicht erwähnt.
Insgesamt war es eine der übelsten und gleichzeitig teuerste
Reisen meines Lebens. Selten bin ich mir so deplatziert und abgezockt
vorgekommen, wie auf dieser Nordlandfahrt.
Die Reederei wurde nicht müde, mir
immer wieder die neuesten Prospekte zu schicken, die ungelesen im Altpapier
landeten. Wenigstens davon dürfte ich in Zukunft verschont bleiben.
Dieses „Traumschiff“ werde ich ganz sicher nicht vermissen.
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