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Donnerstag, 15. Januar 2015

Nichtfilmisches Schrifttum

Auch wenn so gut wie kein Mensch sich für dieses Blog (ich kann mich immer noch nicht an das neutrale Geschlecht dieser Publikationsform gewöhnen, aber es soll richtig sein, sagt Herr Duden) interessiert, will ich es nicht versäumen, die zwei bis drei Verirrten und die Viagranabieter und die russischen Frauen, die mich heiraten wollen, darauf hinzuweisen, dass ich neben dem Filmgeschäft noch andere Dinge betreibe.
Memiana Band 4
Gerade ist Band vier meiner MEMIANA Saga erschienen, die sich so ganz langsam und im Schneckentempo zu einem Geheimtip unter Fantasy-Fans mausert. Es geht weiter in der Welt ohne Pflanzen, in der es niemals dunkel wird und in der jeder Mensch entweder der Jäger ist - oder die Beute. Meine Helden müssen sich nun nicht nur mit Raubtieren auf vier, sondern auch mit denen auf zwei Beinen herumschlagen. Und größenwahnsinnige Pläne drohen, das Gesicht der Welt vollkommen zu verändern...
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Mittwoch, 22. Mai 2013

Wisch - und weg



Meine 10 Minuten mit einem Tablet



Mir ist etwas passiert. Ich hatte eine Begegnung der dritten Art. Eine unheimliche. Ich habe etwas mir vollkommen Fremdes gesehen, habe es berührt und ich bin nun ein Anderer. Ein völlig anderer.

Hm. Naja. Also. Nicht so wirklich.

Ich meine, ich bin immer noch der, der ich vorher war, nur weiß ich nun, wie anders ich bin.

Alles klar?

Nein?

War auch klar.

Dann hole ich mal etwas weiter aus, wie man das von mir gewohnt ist.

Der Mann der sich um das Managen meiner ambitionierten E-Book-Pläne kümmert, sagte sinngemäß: "Wie zum Teufel willst Du denn überprüfen, ob das Buch so ist, wie Du es willst, wenn Du gar keinen E-Book-Reader hast, um es zu sehen." Er meinte, JETZT sei die Zeit gekommen, mir so ein Ding zuzulegen.

Ich dachte nach. 
Was manchmal Folgen hat. 
Und recherchierte. 
Da gab es diese Dingse, die exklusiv von einer Handelskette vertrieben werden, deren Namen an den Singular einer Kriegerinnenrasse erinnert. Die wollte ich aber nicht. Ich mag es nicht, wenn jemand seine Finger in meinem Bücherschrank hat und sei(en) er und er virtuell. Also sah ich mich nach Alternativen um. Die waren alle schwarz-weiß. Und ich habe doch so schöne bunte Cover.

So kam ich in der Welt der Tablet-PCs an. 
Die Weltsteuerhinterzieher mit der Apfelware kamen nicht in Frage. Also die Koreaner. Hm, dachte ich. Vielleicht. Die Dinger haben ja auch W-LAN. Dann kannst Du damit ins Zwischennetz und wenn wieder Football-Saison ist, kannst Du dann parallel zu dem Spiel, das Du schaust, die anderen Ergebnisse und Spielverläufe…


NEIN!

Ich hatte nicht vor, meinen Infanten nachzueifern. Ich will nicht im Hintergrund Berlin – Voll Idioten laufen haben, während ich online am Chatten bin, mit dem Festnetztelefon lebend telefoniere und mit der freien Hand auf dem Wischfon Farmer spiele und Eier züchte und Hühner schere.

NEIN!


Nur ein bisschen. Ein kleines.

Also machte ich den kleinen Schritt und keinen Sprung für die Menschheit. Ich klickte, orderte (natürlich beim Kampfweib) und dann kam es.


Mein Tablet.


Es war… Grauenhaft. Wischen, deuten, Finger auf, Finger zu – und nichts, aber auch gar nichts davon war selbsterklärend. Überall irgendwelche App-Dingse, über die man irgendwas kaufen konnte, musste, sollte, was dann zu anderen Seiten führt, über den man etwas kaufen können/muss/soll.

Hiiiiiilfeeeee!

Mein Jüngerer eilte zur Rettung. „Das geht so. Und da hast Du dann. Und ich habe Dir diese App draufgemacht, die ist wichtig. Und da. Und das ist toll. Und…“

„Ähm… Ein Buch. Ich will einfach nur mal ein E-Book sehen.“

Eine halbe Stunde später hatte er eine Edgar Wallace Leseprobe gefunden.

Okay. Man konnte es lesen. Man konnte blättern. Man konnte das Cover erkennen.

SO sieht so was also am Ende aus.

In Ordnung. Damit kann ich leben.

Aber der ganze Rest?!

Ich brauche davon nichts. Absolut nichts. Ein Tablet ist ein Gerät, das für mich nicht eine einzige, sinnvolle Anwendung hat, die irgendwas mit ARBEIT zu tun hat. Dies Husch-Wisch-Teile sind für mich nichts anderes als Zeitkiller um des Zeitkillens Willen.


Aber mit Kamera.

Ich war neulich in Istanbul, wo ich mir im Rahmen eines Freundschaftskicks für eine Österreichische Traditionsauswahl (jaja, das ist alles etwas schräg und jetzt nicht Thema) das Knie habe kaputt treten lassen. Und dort liefen sie herum. Die Touristen. Mit TABLET-PCs. Hielten diese DIN A 4 großen Teile vor die Nase und fotografierten die Hagia Sophia.

Tschuldigung.

Geht’s noch?


Manchmal muss ich nicht in den Spiegel schauen, um festzustellen, dass ich alt werde. Es gibt Entwicklungen und „Erfindungen“, die sind ganz offensichtlich nicht für mich.

Vielleicht wenn ich 70 bin. 
Meine Mutter hat in dem Alter erst den Computer entdeckt und spielt heute, mit Mitte 80, Angry Birds und fragt sich, wie sie Schweine zum Explodieren bekommt. Meine Bewunderung ist ihr gewiss.

Vielleicht bin ich noch nicht soweit.

Meine Affäre mit einem Tablet PC dauerte jedenfalls gerade mal 10 Minuten.

Dann habe ich ihn verschenkt.

An meinen Jüngeren. Der hat sich gefreut. Als ich ihn aber gestern fragte, was er damit macht, meinte er nur: „Nicht so viel. Der kann ja nicht mehr als mein Galaxy. Der ist nur viel unhandlicher.“

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Montag, 15. April 2013

Serienmörder in Bern



Die Criminale 2013


Ab Mittwoch ist es wieder so weit. Die Criminale findet statt, das größte Festival deutschsprachiger Krimiautoren und diesmal ist die Schweizer Bundeshauptstadt Austragungsort des Marathons an Lesungen und sonstigen Veranstaltungen. Näheres hier: www.die-criminale.de.

Ich gebe zu, ich bin eigentlich in einer Hinsicht nicht so wirklich qualifiziert, daran teilzunehmen. Ab ca. 01:00 Uhr bin ich in der Regel nicht mehr in der Lage, den philosophischen, intellektuellen, politischen, psychologischen und literarischen Höhenflügen in der Criminale-Bar zu folgen. Ich bin seit mehr als 30 Jahren abstinent und daher um diese Uhrzeit einfach zu nüchtern.

Spaß macht mir die Criminale trotzdem, jedes Jahr wieder, denn man trifft dort, welch eine Überrschung, auf Krimiautoren. Und die haben es in sich. Nicht nur nach Mitternacht. Es gibt für mich kein denkbares Genre, in dem man so entspannte Schreiber treffen kann, die sich vor allem dadurch auszeichnen, dass sie sich nicht allzu ernst nehmen.

Warum?

Ganz einfach: Der gemeine Krimiautor hat es schon hinter sich!

Als Verfasser von Spannungsliteratur ist man auch noch heute in der Nahrungskette des publizierten Schrifttums die Amöbe. Wir schreiben „eben NUR Krimis“ – und das kommt im Auge der ach so literarischen Szene (und deren Kritiker) den von uns ausgedachten, formulierten und verrätselten Untaten an sich schon ziemlich nahe. 

Wer über Verbrechen schreibt ist selber einer. Einer Verbrechen. Oder so.

Wenn uns schon sonst keiner ernst nimmt, warum sollten wir es also selbst tun? Das Resultat ist ein wunderbar lässiger Umgang mit uns und unserem Treiben. 
In anderen Literaturzirkeln wie Genrevereinigungen oder auch Foren beobachtet man eine Vermünchnerung par excellence, also ein zum Erbrechen geplüschtes Schatzi-Bussi-Achwieschön-vielGlückmitdeinemwunderbarenRoman, während gleichzeitig mit der Linken der Dolch unter die Rippe gestochen und via PN oder auch sehr smartem Phon gehetzt, geneidet und intrigiert wird, was das Zeug hält.
Wir Killer brauchen das nicht.
Der gemeine Serienmörder wendet sich gleich Wichtigerem zu: dem Entwickeln schräger Ideen und Charaktere sowie der Vernichtung aller Alkoholvorräte der Criminale-Hotels- und Bars VOR Sonntagmorgen.

Man trifft auf der Criminale jede Menge Leute, die sich geben wie und was sie sind: die Schmuddelkinder und Buschbankerte der teutonischen Literatur. Da dies alle gleichermaßen betrifft, lässt einen dies zusammenrücken (was an den Theken, falls das Thema noch nicht erwähnt wurde, sowieso obligatorisch ist) und zwar ganz gleich, ob jemand in der Anthologie eines Regionalverlags seinen ersten Kurzkrimi veröffentlicht hat oder ob er die Bestsellerliste anführt. 

Auf der Criminale redet jeder mit jedem völlig unbefangen. Keiner der Killer und –innen käme auf die Idee, einem anderen die Qualifikation abzusprechen, sich zu irgendeinem beliebigen Thema zu äußern, weil er/sie/es „nur in einem Kleinverlag publiziert“. Wer nun lauthals lacht, kennt andere Bereiche der einfachen Unterhaltungsliteratur nicht, in denen derlei Publikationsdarwinismus durchaus an der Tagesordnung ist.

So aber ist und bleibt die Criminale DAS Fest von und für die Krimiautoren, auf dem immer wieder neue Kontakte geknüpft und alte Freund- und Feindschaften (HALLO, wir sind immerhin Verbrecher, ja?) erneuert und gepflegt werden. Und zu allem Überfluss kommen mit schönster Regelmäßigkeit als Resultat geradliniger und auch sehr schräger Gespräche immer wieder tolle Ideen ans Tageslicht, die nicht selten in eine Publikation münden. Nicht wenige Romane oder auch Anthologien begannen als Thekenspinnerei auf einer Criminale.

Ich freue mich jedenfalls schon. 
Sogar auf das obligatorische Fußballspiel der schlechtesten Mannschaft des Universums. 
Vergleiche www.krimielf.de.
Wir werden sicher wieder auf die Mütze kriegen. Immerhin hat man uns die Schweizer Autorennationalmannschaft auf’s Auge gedrückt…