Samstag, 7. Februar 2015

Meine kleine Berlinale

Ich gehöre ja zu den wenigen Berlinale Besuchern, die sich Filme anschauen. Ich meine Fachbesuchern. Die meisten aus der Branche kommen her, um zu aquirieren, intrigieren, Strippen zu ziehen, seitenspringen, häppchenschlingen, networken.
Ich bin so unbedeutend (Autor eben...), dass ich kaum eine Einladung bekomme.
Daher treibe ich mich in Kinosälen herum und hole mir meine alljährliche Überdosis.
Bisher gesehen:

Sangue Azul
Zwei Stunden lang rammelt jeder jeden auf einer brasilianischen Insel im Atlantik, mit ein wenig Familienmelodram, Zirkusromantik, Mystik und einigen großartigen Einstellungen.
Südamerikanisches Kino eben...

600 Milas
Kleines, dreckiges, mexikanisch-amerikanisches Roadmovie. Kurz, aber funktioniert.

45 Years
Großartige Schauspieler in einem Hörspiel mit ein paar Bildern. Warum in aller Welt läuft ein Fernsehspiel der Gegenwart im Wettbewerbsprogramm der Berlinale?!

Sonntag, 1. Februar 2015

Kein Entkommen

Mir persönlich ist es herzlich gleichgültig, welcher C- bis D-"Promi" sich nicht entblödet, sich eine Weile im Dreck zu wälzen und seine Genitalien einer lechzenden televisionären Meute preiszugeben. Ich MUSS mir so etwas ja nicht ansehen. Was ich auch nicht mache. Meine Zeit ist mir wirklich zu schade für diese niederste Form der Fernseh"unterhaltung".
Was mir jedoch in den letzten Wochen gewaltig auf die Nerven gegangen ist, ist die Tatsache, dass ich TROTZDEM dieser Peepshow nicht entkommen konnte. Es gibt sechs mehr oder weniger seriöse Nachrichtenkanäle, die ich täglich mehrfach im Internet konsultiere - und JEDER von diesen berichtete aus dem Dschungel. Mit Bildern, prominent platziert und wieder und wieder und wieder. Ich habe keinen Artikel gelesen - und trotzdem bin ich nur anhand des unvermeidlichen Schlagzeilen-Scannens jederzeit im Bilde gewesen, was sich in Australien (?) im Fernsehlabor so alles tat. Dabei spielte keine Rolle, dass ich es nicht wissen WOLLTE. Ich konnte diesem hochpeinlichen Treiben einfach nicht entkommen.
Was soll der Mensch also tun, der partout nicht im Dschungel campen will? Muss er sich für die kommende Spielzeit in eine Höhle zurückziehen und erst wieder hervorkommen, wenn man fertig hat?

Montag, 26. Januar 2015

Große, bunte Sportbilder

Seit vielen Jahren ist sport1.de ein fester Bestandteil meiner Favoriten und damit meines informationstechnischen Tagesprogramms. Die Seite war nicht immer tiefschürfend, häufiger mit peinlichen Diskrepanzen zwischen Überschrift und Inhalt gesegnet, wies ständig erbärmliche Übersetzungsfehlern auf, die dokumentierten, dass der Abschreiber völlig ahnungslos war, sobald es US-Sport betraf, aber sie gab eine relativ aktuelle Übersicht über das internationale Sportgeschehen.
Aus diesem Geschäft hat sich sport1.de nun vollständig zurückgezogen. 
Die Seite erfuhr eine Generalüberholung, mit einschneidenden Folgen. Der Textanteil ist auf ca 10% zurückgegangen, die Übersichtlichkeit auf ein Niveau noch darunter und es dominieren riesige, nichtssagende Bilder und Holperschlagzeilen. Alles ist klotzig und offenbar "smartphoneoptimiert". Nachrichten (und Werbung) im Twitter-Stil ist allem Anschein nach das neue "journalistische" Prinzip. Nichts zu berichten, aber das wenigstens schön groß und bunt.
Ich habe kein Smartphone. Ich gehe mit etwas so Altertümlichem wie einem PC ins Internet. Ich lese gerne mehr als drei Zeilen zu einem Thema und Texte, die nicht lediglich das auswalzen, was die schreierischen Überschriften schon vermittelt haben.
Wer hätte das gedacht, dass ich mit diesen Wünschen und dieser Art Medienkonsum in der ach so schnellen digitalen und Netzwelt einmal zu einer zu vernachlässigenden Randgruppe gehören könnte?
Für mich heißt es jedenfalls: Leb wohl Sport1.de.
"Sind Sie sicher, dass Sie diesen Link löschen wollen?"
"JA!"

Donnerstag, 15. Januar 2015

Nichtfilmisches Schrifttum

Auch wenn so gut wie kein Mensch sich für dieses Blog (ich kann mich immer noch nicht an das neutrale Geschlecht dieser Publikationsform gewöhnen, aber es soll richtig sein, sagt Herr Duden) interessiert, will ich es nicht versäumen, die zwei bis drei Verirrten und die Viagranabieter und die russischen Frauen, die mich heiraten wollen, darauf hinzuweisen, dass ich neben dem Filmgeschäft noch andere Dinge betreibe.
Memiana Band 4
Gerade ist Band vier meiner MEMIANA Saga erschienen, die sich so ganz langsam und im Schneckentempo zu einem Geheimtip unter Fantasy-Fans mausert. Es geht weiter in der Welt ohne Pflanzen, in der es niemals dunkel wird und in der jeder Mensch entweder der Jäger ist - oder die Beute. Meine Helden müssen sich nun nicht nur mit Raubtieren auf vier, sondern auch mit denen auf zwei Beinen herumschlagen. Und größenwahnsinnige Pläne drohen, das Gesicht der Welt vollkommen zu verändern...
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Sonntag, 21. Dezember 2014

"Heiter bis tödlich stirbt" - zu spät!



Der gemeine Fernsehzuschauer ist zum einen ein Gewohnheitstier, zum anderen nicht ganz so dämlich, wie viele glauben. Wenn er das Gerät einschaltet, dann recht oft, weil er etwas Bestimmtes sehen will.
Es ist daher sinnvoll, in Ankündigungen klar zu sagen, was den Konsumenten erwartet.
"19:00 Uhr: Fernsehprogramm" würde nicht ganz ausreichen. Auch: "19:00 Fernsehprogramm, zum Lachen, haha!" wird keine Quotenrekorde garantieren. Schon gar nicht, wenn es jeden Tag zur selben Zeit in der Programmvorschau steht.
Genau das hat die ARD versucht. Seit Jahren gibt es nun täglich Krimi lustig. Weil Leute Krimi lustig sehen wollen, ganz gleich, was ihnen dann präsentiert wird. Dachten und sagten die Allgewaltigen und setzten sich durch. Gegen jeden Rat, gegen jede Erkenntnis und mit einem Reihentitel, den 20jährige heute googeln müssen („Heiter, hm… Ist das die Wettervorhersage?“), zog man ins Feld, den mausetoten Vorabend zu revolutionieren.
Die Produzenten waren verzweifelt, die Redakteure waren verzweifelt, die Autoren und Regisseure waren verzweifelt. Aber die Programmgewaltigen waren von ihrer Genialität überzeugt. Sie waren es auch dann noch, als das Konzept so epochal floppte wie alles, das das deutsche Fernsehen jemals im Reihenbereich versucht hat.
Dann waren es eben die Serien, die Schrott waren – dabei waren/sind diese genauso, wie es sich die Vorrentner an den Schaltstellen gewünscht hatten. Steinzeitlich. Der brachiale Didi-Hallvervorden-Palimpalim-Humor, bei dem unglaublich lustig sein sollende Leute unglaublich lustig sein sollende Situationen vom Blatt lesen/lasen drückt/e die Sehbeteiligung der propagierten Zielgruppe unter den Messbereich. Jung, frech und frisch sollte das Programm sein, doch was herauskam war/ist verstaubt, gequält, humorkastriert und vorvorgestrig.
Nun ist es soweit. Jahre später soll der unsägliche Ober(lehrer)titel endlich verschwinden. Die Pressestellen haben nun die Pflicht, die intendantische Totgeburt posthum schönzureden und faseln vom Etablieren einer Marke und erreichten Zielen.
Klar, Porsche nennt sein Produkt in Zukunft nur noch „Auto“, weil jeder Porsche jetzt kennt…
„Heiter bis tödlich“ wird also endlich begraben. Tot ist es ja schon lange.

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Das Alptraumschiff



Man liest, die „Deutschland sei pleite und ich kann nicht sagen, dass mich die Nachricht übermäßig traurig macht, obwohl ich mit diesem Schiff einige Erinnerungen verbinde.
Ich bin zweimal auf Einladung des Traumschiff-Produzenten mitgefahren, einmal in Asien und einmal den Amazonas runter und über den Atlantik. Es waren für mich interessante und schöne Reisen, auf denen ich einige Drehbücher geschrieben habe. Mir gefiel die Atmosphäre an Bord, das Zusammenleben mit dem Produktionsteam, das Essen sowieso und die relativ ungefährliche Art, fremde Länder zu sehen. Wir hatten unseren Spaß, freundeten uns besonders mit einem Barpianisten und dem Kapitän an und es war einfach eine gute Zeit.
Jahre später dachte ich, es sei eine tolle Idee, auf dem Schiff eine Nordlandreise nach Island und Grönland in drei Generationen zu unternehmen. Ich fuhr mit meinem Vater und meinem Ältesten  und alles war ganz anderes. Vor allem fürchterlich. Ich hatte einen massiven Denkfehler in meinen Planungen. Die vorangegangenen Reisen hatte ich nämlich nicht als „Passagier“ gemacht. Wir waren als Filmteam zwar auf dem Schiff gewesen, aber wir waren eine eigene, kleine Gesellschaft, die mit den anderen Reisenden kaum Berührungspunkte hatte.
Doch nun waren wir als Vollzahler unterwegs und realisierten, dass wir einen Exotenstatus hatten. Mein Sohn war mit seinen 14 mit Abstand der Jüngste der Passagiere und der Altersschnitt lag bei geschätzten 75. Unser Ozeanpianist war von irgendwelchen drittklassigen Sportfesthammondorgelalleinunterhaltern ersetzt worden, die nicht mal den richtigen Text von „Countryroads“ kannten, das sie allabendlich jaulten und unser Kapitän war inzwischen gefeuert, weil er gegen das Ausflaggen des Schiffs protestiert hatte. Unterhaltungs“künstler“, die man in München nicht in der Fußgängerzone geduldet hätte, machten „Programm“ und die Häfen die angelaufen wurden, waren nicht nach Sehenswürdigkeiten ausgesucht, sondern nach dem Preis der Liegeplätze.
Schnell zurück, es gibt Essen!
Den Passagieren machte das nichts aus, da sie sich sowieso in allererster Linie für eines interessierten: Acht warme Mahlzeiten am Tag, von denen keine verpasst werden durfte.
Kurz: Es war die Hölle auf der Welle. Denn es kam noch dazu, dass immer wieder mehrere Seetage eingeschoben wurden, auf denen das Schiff erbärmlich schaukelte. Die Bunker waren auf der Rückfahrt leer, das Essen wurde immer schlechter und unter den Insassen des Schwimmenden Altersheims hatten sich genügend Feindschaften gebildet, um für die Unterhaltung der verbiesterten und futterneidischen (!) Mitreisenden zu sorgen. Neben der nächsten Mahlzeit war das das Hauptthema jeder Unterhaltung an den Tischen. Wie furchtbar der oder die oder das sei und wer was gesagt oder nicht gesagt hat. Und was die anderen alles essen und wieviel.Und dabei habe ich Reservierungs-Decken auf den Deckchairs noch gar nicht erwähnt.
Insgesamt war es eine der übelsten und gleichzeitig teuerste Reisen meines Lebens. Selten bin ich mir so deplatziert und abgezockt vorgekommen, wie auf dieser Nordlandfahrt. 
Die Reederei wurde nicht müde, mir immer wieder die neuesten Prospekte zu schicken, die ungelesen im Altpapier landeten. Wenigstens davon dürfte ich in Zukunft verschont bleiben.
Dieses „Traumschiff“ werde ich ganz sicher nicht vermissen.

Dienstag, 21. Januar 2014

Die Motorwelt - ein POD

Vor ewigen Zeiten fuhr ich im Prinzip alles was Räder hatte. Als persönlichen, freudigen, horizontalen Personentransportierer. Es durfte nicht mehr als 1000,-- Mark kosten und hatte dem entsprechend die Angewohnheit, zu den ungünstigen Zeiten an den ungünstigsten Orten die Bewegung zu verweigern.
Obwohl schrauberisch nicht vollkommen talentfrei, überstieg die eine oder andere Panne meine Fähigkeiten der Improvisation und ich trat Deutschlands größtem Verein bei, dessen Dienste ich dann ziemlich regelmäßig in Anspruch nahm. Glücklich war, wer in Fußweite einen orangenen Telefonkasten fand. Zu Zeiten der Brieftaube war an eine mobile Kommunikation jenseits des gerufenen Wortes nämlich noch nicht zu denken.
Seitdem diesem meinem Vereinsbeitritt erreicht mich monatlich ein Druckwerk, dessen Inhalt zu wenigstens 50% aus Werbung für ADAC Reise, ADAC-Versicherungen, ADAC-Mitgliedschaften, ADAC-Schleuderkursen, ADAC-Freundschaftswerbungen usw besteht.
Ein weiterer, nicht unerheblicher Teil der Seiten wird dazu verwendet, mich über das breite Angebot an Treppenliften, Behindertentoiletten sowie Elektrorollstühlen mit und ohne und mitohne Dach und Türen und Anhänger zu informieren.
Wenn man es genau betrachtet, ist es doch eigenlich bedenklich, dass diese Fachindustrie mit Begeisterung und Hartnäckigkeit ausgerechnet in einem Organ wirbt, dessen Leserschaft sich auf Automobilisten rekrutieren soll. Irgendwann knallst auch Du vor die Wand. Oder wie?
Für meine Bildung sollte ich auch etwas tun, verrät allmonatlich die Umschlagrückseite. Man muss nur ankreuzen, was das Ziel sein soll. Schriftsteller gibt es spannenderweise auch als "Lehrberuf". Es ist immer wieder verlockend.
Und dann, aber erst dann, ist da noch der "redaktionelle Teil"...
Anfangs habe ich die "Tests" immer mal wenigstens überflogen, bis sehr schnell klar wurde, dass diese Zeitschrift sich noch viel mehr als 5. Kolonne der heimischen Automobilindustrie versteht  als Auto Mercedes und Sport. Deutsch: guuuuuut. Nichtarisch: schleeeeeecht!
Nach wenigen Jahren blätterte ich das Buntpapier nur noch durch.
Heute fliegt die Motorwelt diekt ins Altpapier, sobald ich sie aus dem Postfach hole. Abbestellen lässt sie sich ja nicht. Man ist sozusagen als Mitglied zwangsverpflichtet, die auflagenstärkste und gleichzeitig inhaltsfreieste Automobilzeitschrift Deutschlands zu erhalten.
Ich habe eine kleine, nicht repräsentative Umfrage unter Freunden und Bekannten gemacht, werde aber darob keine Engel verleihen. Nicht einmal blecherne.
Doch das Ergebnis ist frappierend.
97,3% der Teilnehmer meines Wettbewerbs halten es genau so wie ich.
Sie werfen das Blatt gleich weg.
Damit ist die Motorwelt tendenziell ein POD wie vielleicht noch die IHK-Nachrichten.
Ein Print Only Document.
Es geht nur darum, dass es gedruckt wird.
Ob es irgendjemand liest, spielt absolut keine Rolle.
Man könnte die Motorwelt auch mit Lorem ipsum füllen - und keiner würde es merken.
Lustig ist es schon, dass es jemand fertiggebracht hat, sich auf Basis eines solchen Blindtextimperiums eine gottgleiche Stellung in der Welt des Automobils zu verschaffen.
Oder wenigstens eine solche zu behaupten.
Armer Journalismus.