Sonntag, 15. Februar 2015

Berlinale vergibt Drehbuchpreis - an einen Film ohne Drehbuch

Die Jury der Berlinale hat entschieden und Preise verstreut. Dabei ist sie der Tradition treu geblieben, im Zweifel lieber einen Filmemacher wegen seiner Persönlichkeit, seines Schicksals oder generell aus Gründen politischer Signalwirkung auszuzeichnen. Und nicht wegen des eingereichten Werkes.
Der Hauptpreis ging also in den Iran, für einen Film, der unter den Besuchern nicht unbedingt Favorit war. 
Einige andere Kategorien konnte man durchaus nachvollziehen, wie Darsteller und Regie.
Was meiner unmaßgeblichen Meinung nach jedoch ein Schlag ins Gesicht aller professioneller Drehbuchautoren ist, ist der Preis für "Der Perlmuttknopf". Dieser Dokumentarfilm, über dessen Qualität ich mich schon ausgelassen habe, bekommt einen Preis für das "Drehbuch".
Bedurfte es noch eines Beweises, mit welcher entweder Ahnungslosigkeit oder auch Verachtung das filmemachende Universum der Keimzelle des Films an sich, dem Drehbuch, gegenübersteht, ist er hiemit ein weiteres Mal erbracht. 
Wo bitte hatte dieses zusammengeschnipselte Alterswerk ein Drehbuch? 
Wenn ein dramaturgischer Bogen vorgesehen war, ist er unter der Last der Überambition zusammengebrochen. 
Wo bitte ist eine kreative Autorenleistung? 
Wie sieht dieses Drehbuch aus? 

Meer - außen/Tag. 
Wasser rauscht. 

Oder 

Studio innen/Tag 
Wir betrachten einen Salzblock von verschiedenen Seiten.

Ich habe auf der Berlinale dieses Jahr nur 15 Filme gesehen. Von denen hatten 14 ein Drehbuch, das signifikant besser war als das, was nun ausgezeichnet wurde.
Wenn man den Filmemacher unbedingt bepreisen wollte, aus den bekannten, politischen Gründen, dann hätte es genügend andere Möglichkeiten gegeben. Aber ihn für das "Drehbuch" auszuzeichnen verhöhnt die Autoren all der anderen 400 Filme.

Dienstag, 10. Februar 2015

Berlinale, die Vierte

Gestern hatte ich den Tag der Magersucht...

Min lilla syster
Stella ist 11, pummelig und die kleine Schwester einer talentierten Eisläuferin, der alle Aufmerksamkeit gilt. Doch nur Stella bemerkt, dass ihre Schwester an Bulimie leidet, wird von ihr aber zum Schweigen genötigt...
Emotionaler und realistischer Kinderfilm mit großartigen Darstellern. Gehört eigentlich in das Pflichtprogramm aller Schulen. Wird es aber sicher nicht in die Kinos schaffen, dazu ist er zu unspektakulär.

El Club
Wettbewerbsbeitrag aus Chile. In einem kleinen Dorf im Süden leben vier Priester und eine Nonne in einem Haus. Sie sind von der Kirche dort ins Exil geschickt worden, aber sie lassen es sich trotz der nominell strengen Regeln gut gehen. Dann wird ein weiterer Pater vorgestellt und das Unglück nimmt seinen Lauf...
Radikaler Film über Missbrauch, Schuld und Sühne, der alle menschlichen Facetten von Täter- und Opferschaft anspricht und gnadenlos zeigt. Herausragende Schauspielerleistungen und atmosphärisch extrem dicht. Sieht aber leider in weiten Teilen aus, wie mit SD-Kameras aus den 80er Jahren aufgenommen. Miserable Auflösung, flau, Grauschleier statt schwarz. Wenn das Absicht war, irritiert es mehr als es erzählt.

Koza
Ein ehemaliger Olympiaboxer, der heute als Schrottsammler sein bisschen Geld verdient, muss 300 Euro heranschaffen, um seiner Freundin die Abtreibung zu bezahlen, da sie das Kind nicht will. Mit seinem Chef, der sich als Promotor versucht, macht er sich auf die Reise über die Grenze nach Deutschland und tingelt mit ihm durch drittklassige Boxsäle, um jedes Mal mehr verprügelt zu werden...
Sehenswertes, dreckiges, kleines Roadmovie. Klassischer Festivalstoff, der wohl seinen Weg machen wird, mit einem doch überraschenden Ende.
Ein kleine Rat an alle Kulturwachteln: Liebe Omas, wenn Ihr in einem Film geht, der vom BOXEN handelt, dann liegt es in der Natur der Sache, dass dem Hauptdarsteller das Nasenbein demoliert wird. Wenn Ihr sowas nicht sehen wollt, bleibt doch gleich zu Hause und watschelt nicht während der Vorstellung maulend und daunenmantelraschelnd raus. Oder wenigstens alle auf einmal und nicht alle fünf Minuten zwei...

Body
Polnischer Wettbewerbsbeitrag über einen verwitweten Staatsanwalt der mit seiner magersüchtigen Tochter an eine angeblich spiritistisch begabte Therapeutin gerät.
Film mit tiefschürfendem Thema bzw. Themen mit großartigen Momenten während der Therapien, vielen herrlich grotesken Situationen und dann wieder reichlich beklemmenden Sequenzen.
Unvorhersehbar, mit vielen Kniffen und Wendungen und tollen Darstellern. Sehr sehenswert.

Montag, 9. Februar 2015

Berlinale 3

Und ein weiterer Tag in der erstaunlichsten Stadt des Universums.
Der Berlinale Server hat die Kartenholer am Morgen mit einem Totalausfall in der Kälte stehen lassen, aber wenigstens funktioniert später der Filmserver.

Holmes
Sherlock Holmes ist 93, lebt an der Südküste mit einer Haushälterin und deren Sohn, leidet an beginnendem Alzheimer und versucht verzweifelt, sich zu erinnern, warum sein letzter Fall vor 30 Jahren sein letzter war und er sich aus der Branche zurückgezogen hat. Mein Berlinale Highlight bisher, mit phantastischen Schauspielern. Im Wettbewerb, aber leider außer Konkurrenz.

Knight of Cups
Ein sehr erfolgreicher Drehbuchautor mit Burnout memoriert die Stationen seiner Karriere. Eine teils surreale Bilderflut, nur zusammengehalten durch die beinahe Dauerpräsenz des Hauptdarstellers (Christian Bale; auf dem Roten Teppich hinreichend hysterisch bekrischen und geknipst) und seine drei Gesichtsausdrücke, Themengebenden Tarot-Karten und immer mal wieder demselben Hubschrauber, der durchs Panorama flattert. Verweigert sich jeder Konvention durch die permanenten Off-Stimmen, die die akustisch zurückgeblendeten Spielszenen quasi-dokumentarisch wirken lassen, verzichtet auf einen Plot im eigentlichen Sinne und am Ende des Tages auch auf eine Botschaft. Trotzdem stellt sich spät ein gewisser suggestiver Sog ein. Klarer Bärenkandidat für Kamera und Schnitt.

El bóton nácar
Dokumentarfilm aus Chile, der versucht, den ganz großen Bogen von der Vernichtung der Ureinwohner Pagagoniens bis zu den Junta-Morden zu spannen. Ein paar großartige Einstellungen retten den Film nicht, der mehr abbeißt als er schlucken kann. Der Versuch, alles mit allem zu verbinden scheitert kläglich. Zu viel Geschwätz von den falschen Leuten im On, unreflektierter Selbstbezug in der Offstimme, ohne dass man wirklich etwas erfährt und als der Film eigentlich vorbei ist, kleckert er noch weitere 20 Minuten wiederholend vor sich hin. Peinlich: Der Anthropologe, der minutenlang verklärten Gesichts Indianergesang intoniert. Sehr enttäuschend und nicht des Wettbewerbs würdig. Aber wohl aus politischen Gründen drin.

Sonntag, 8. Februar 2015

Weiter mit dem Bären...

Und hier sind die nächsten cinematographischen Ereignisse, die ich bewundern durfte.
Gestern hatte ich den Tag der mittel- und südamerikanischen Landwirtschaft...

La mujer de barro
Vor zehn Jahren vergewaltigte, chilenische Landarbeiterin kehrt auf die Plantage zurück, wo das geschah, um dort wieder zu arbeiten. In ruhigen Bildern und langen Einstellungen ohne jede Hektik erzählte Geschichte über eine Form der modernen Sklaverei. Hat schon mal jemand darüber nachgedacht, woher die dicken, blauen Trauben kommen, die man Weihnachten kaufen kann?

Ixancul
Und nun Guatemala. Wieder Landbau, hier am Hang eines Vulkans und unter Mayas. Ein Mädchen, das dem Aufseher als "Ersatz"-frau versprochen ist, lässt sich von einem anderen schwängern. Mit Laiendarstellern inszeniert, die zwischen overacting und no acting at all agieren, zeigt interessante Aspekte des heutigen Lebens von Ureinwohnern und bekommt erst ganz zum Schluss ein paar wirklich überraschende Wendungen. Erinnert aber für mich fatal an den Tag aus dem Leben eines Eisensammlers, der die Berlinale gewann... Könnte also ein Kandidat sein.

Journal d'une femme de chambre
Unterhaltsames Kostümfastdrama um ein Zimmermädchen Ende des 19. Jahrhunderts. Aber mit völlig unausgegorenen, plakativen Charakteren, ohne Zielrichtung oder auch nur eine Story. Die Bild gewordene Irrelevanz.
Was haben die Franzosen der Festivalleitung getan, dass immer so ein Kram ihr Land auf der Berlinale präsentieren muss?!

Paper Planes
Australischer Kinderfilm über einen Halbwaisen, der durch Zufall ein Talent im Papierfliegerfalten entdeckt und zu Meisterschaften fährt. Mit großartigen Darstellern gesegneter Wohlfühlfilm, nicht ohne Drama und Tiefgang, der genau so ausgeht, wie man es sich wünscht.








Samstag, 7. Februar 2015

Meine kleine Berlinale

Ich gehöre ja zu den wenigen Berlinale Besuchern, die sich Filme anschauen. Ich meine Fachbesuchern. Die meisten aus der Branche kommen her, um zu aquirieren, intrigieren, Strippen zu ziehen, seitenspringen, häppchenschlingen, networken.
Ich bin so unbedeutend (Autor eben...), dass ich kaum eine Einladung bekomme.
Daher treibe ich mich in Kinosälen herum und hole mir meine alljährliche Überdosis.
Bisher gesehen:

Sangue Azul
Zwei Stunden lang rammelt jeder jeden auf einer brasilianischen Insel im Atlantik, mit ein wenig Familienmelodram, Zirkusromantik, Mystik und einigen großartigen Einstellungen.
Südamerikanisches Kino eben...

600 Milas
Kleines, dreckiges, mexikanisch-amerikanisches Roadmovie. Kurz, aber funktioniert.

45 Years
Großartige Schauspieler in einem Hörspiel mit ein paar Bildern. Warum in aller Welt läuft ein Fernsehspiel der Gegenwart im Wettbewerbsprogramm der Berlinale?!

Sonntag, 1. Februar 2015

Kein Entkommen

Mir persönlich ist es herzlich gleichgültig, welcher C- bis D-"Promi" sich nicht entblödet, sich eine Weile im Dreck zu wälzen und seine Genitalien einer lechzenden televisionären Meute preiszugeben. Ich MUSS mir so etwas ja nicht ansehen. Was ich auch nicht mache. Meine Zeit ist mir wirklich zu schade für diese niederste Form der Fernseh"unterhaltung".
Was mir jedoch in den letzten Wochen gewaltig auf die Nerven gegangen ist, ist die Tatsache, dass ich TROTZDEM dieser Peepshow nicht entkommen konnte. Es gibt sechs mehr oder weniger seriöse Nachrichtenkanäle, die ich täglich mehrfach im Internet konsultiere - und JEDER von diesen berichtete aus dem Dschungel. Mit Bildern, prominent platziert und wieder und wieder und wieder. Ich habe keinen Artikel gelesen - und trotzdem bin ich nur anhand des unvermeidlichen Schlagzeilen-Scannens jederzeit im Bilde gewesen, was sich in Australien (?) im Fernsehlabor so alles tat. Dabei spielte keine Rolle, dass ich es nicht wissen WOLLTE. Ich konnte diesem hochpeinlichen Treiben einfach nicht entkommen.
Was soll der Mensch also tun, der partout nicht im Dschungel campen will? Muss er sich für die kommende Spielzeit in eine Höhle zurückziehen und erst wieder hervorkommen, wenn man fertig hat?

Montag, 26. Januar 2015

Große, bunte Sportbilder

Seit vielen Jahren ist sport1.de ein fester Bestandteil meiner Favoriten und damit meines informationstechnischen Tagesprogramms. Die Seite war nicht immer tiefschürfend, häufiger mit peinlichen Diskrepanzen zwischen Überschrift und Inhalt gesegnet, wies ständig erbärmliche Übersetzungsfehlern auf, die dokumentierten, dass der Abschreiber völlig ahnungslos war, sobald es US-Sport betraf, aber sie gab eine relativ aktuelle Übersicht über das internationale Sportgeschehen.
Aus diesem Geschäft hat sich sport1.de nun vollständig zurückgezogen. 
Die Seite erfuhr eine Generalüberholung, mit einschneidenden Folgen. Der Textanteil ist auf ca 10% zurückgegangen, die Übersichtlichkeit auf ein Niveau noch darunter und es dominieren riesige, nichtssagende Bilder und Holperschlagzeilen. Alles ist klotzig und offenbar "smartphoneoptimiert". Nachrichten (und Werbung) im Twitter-Stil ist allem Anschein nach das neue "journalistische" Prinzip. Nichts zu berichten, aber das wenigstens schön groß und bunt.
Ich habe kein Smartphone. Ich gehe mit etwas so Altertümlichem wie einem PC ins Internet. Ich lese gerne mehr als drei Zeilen zu einem Thema und Texte, die nicht lediglich das auswalzen, was die schreierischen Überschriften schon vermittelt haben.
Wer hätte das gedacht, dass ich mit diesen Wünschen und dieser Art Medienkonsum in der ach so schnellen digitalen und Netzwelt einmal zu einer zu vernachlässigenden Randgruppe gehören könnte?
Für mich heißt es jedenfalls: Leb wohl Sport1.de.
"Sind Sie sicher, dass Sie diesen Link löschen wollen?"
"JA!"

Donnerstag, 15. Januar 2015

Nichtfilmisches Schrifttum

Auch wenn so gut wie kein Mensch sich für dieses Blog (ich kann mich immer noch nicht an das neutrale Geschlecht dieser Publikationsform gewöhnen, aber es soll richtig sein, sagt Herr Duden) interessiert, will ich es nicht versäumen, die zwei bis drei Verirrten und die Viagranabieter und die russischen Frauen, die mich heiraten wollen, darauf hinzuweisen, dass ich neben dem Filmgeschäft noch andere Dinge betreibe.
Memiana Band 4
Gerade ist Band vier meiner MEMIANA Saga erschienen, die sich so ganz langsam und im Schneckentempo zu einem Geheimtip unter Fantasy-Fans mausert. Es geht weiter in der Welt ohne Pflanzen, in der es niemals dunkel wird und in der jeder Mensch entweder der Jäger ist - oder die Beute. Meine Helden müssen sich nun nicht nur mit Raubtieren auf vier, sondern auch mit denen auf zwei Beinen herumschlagen. Und größenwahnsinnige Pläne drohen, das Gesicht der Welt vollkommen zu verändern...
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Sonntag, 21. Dezember 2014

"Heiter bis tödlich stirbt" - zu spät!



Der gemeine Fernsehzuschauer ist zum einen ein Gewohnheitstier, zum anderen nicht ganz so dämlich, wie viele glauben. Wenn er das Gerät einschaltet, dann recht oft, weil er etwas Bestimmtes sehen will.
Es ist daher sinnvoll, in Ankündigungen klar zu sagen, was den Konsumenten erwartet.
"19:00 Uhr: Fernsehprogramm" würde nicht ganz ausreichen. Auch: "19:00 Fernsehprogramm, zum Lachen, haha!" wird keine Quotenrekorde garantieren. Schon gar nicht, wenn es jeden Tag zur selben Zeit in der Programmvorschau steht.
Genau das hat die ARD versucht. Seit Jahren gibt es nun täglich Krimi lustig. Weil Leute Krimi lustig sehen wollen, ganz gleich, was ihnen dann präsentiert wird. Dachten und sagten die Allgewaltigen und setzten sich durch. Gegen jeden Rat, gegen jede Erkenntnis und mit einem Reihentitel, den 20jährige heute googeln müssen („Heiter, hm… Ist das die Wettervorhersage?“), zog man ins Feld, den mausetoten Vorabend zu revolutionieren.
Die Produzenten waren verzweifelt, die Redakteure waren verzweifelt, die Autoren und Regisseure waren verzweifelt. Aber die Programmgewaltigen waren von ihrer Genialität überzeugt. Sie waren es auch dann noch, als das Konzept so epochal floppte wie alles, das das deutsche Fernsehen jemals im Reihenbereich versucht hat.
Dann waren es eben die Serien, die Schrott waren – dabei waren/sind diese genauso, wie es sich die Vorrentner an den Schaltstellen gewünscht hatten. Steinzeitlich. Der brachiale Didi-Hallvervorden-Palimpalim-Humor, bei dem unglaublich lustig sein sollende Leute unglaublich lustig sein sollende Situationen vom Blatt lesen/lasen drückt/e die Sehbeteiligung der propagierten Zielgruppe unter den Messbereich. Jung, frech und frisch sollte das Programm sein, doch was herauskam war/ist verstaubt, gequält, humorkastriert und vorvorgestrig.
Nun ist es soweit. Jahre später soll der unsägliche Ober(lehrer)titel endlich verschwinden. Die Pressestellen haben nun die Pflicht, die intendantische Totgeburt posthum schönzureden und faseln vom Etablieren einer Marke und erreichten Zielen.
Klar, Porsche nennt sein Produkt in Zukunft nur noch „Auto“, weil jeder Porsche jetzt kennt…
„Heiter bis tödlich“ wird also endlich begraben. Tot ist es ja schon lange.

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Das Alptraumschiff



Man liest, die „Deutschland sei pleite und ich kann nicht sagen, dass mich die Nachricht übermäßig traurig macht, obwohl ich mit diesem Schiff einige Erinnerungen verbinde.
Ich bin zweimal auf Einladung des Traumschiff-Produzenten mitgefahren, einmal in Asien und einmal den Amazonas runter und über den Atlantik. Es waren für mich interessante und schöne Reisen, auf denen ich einige Drehbücher geschrieben habe. Mir gefiel die Atmosphäre an Bord, das Zusammenleben mit dem Produktionsteam, das Essen sowieso und die relativ ungefährliche Art, fremde Länder zu sehen. Wir hatten unseren Spaß, freundeten uns besonders mit einem Barpianisten und dem Kapitän an und es war einfach eine gute Zeit.
Jahre später dachte ich, es sei eine tolle Idee, auf dem Schiff eine Nordlandreise nach Island und Grönland in drei Generationen zu unternehmen. Ich fuhr mit meinem Vater und meinem Ältesten  und alles war ganz anderes. Vor allem fürchterlich. Ich hatte einen massiven Denkfehler in meinen Planungen. Die vorangegangenen Reisen hatte ich nämlich nicht als „Passagier“ gemacht. Wir waren als Filmteam zwar auf dem Schiff gewesen, aber wir waren eine eigene, kleine Gesellschaft, die mit den anderen Reisenden kaum Berührungspunkte hatte.
Doch nun waren wir als Vollzahler unterwegs und realisierten, dass wir einen Exotenstatus hatten. Mein Sohn war mit seinen 14 mit Abstand der Jüngste der Passagiere und der Altersschnitt lag bei geschätzten 75. Unser Ozeanpianist war von irgendwelchen drittklassigen Sportfesthammondorgelalleinunterhaltern ersetzt worden, die nicht mal den richtigen Text von „Countryroads“ kannten, das sie allabendlich jaulten und unser Kapitän war inzwischen gefeuert, weil er gegen das Ausflaggen des Schiffs protestiert hatte. Unterhaltungs“künstler“, die man in München nicht in der Fußgängerzone geduldet hätte, machten „Programm“ und die Häfen die angelaufen wurden, waren nicht nach Sehenswürdigkeiten ausgesucht, sondern nach dem Preis der Liegeplätze.
Schnell zurück, es gibt Essen!
Den Passagieren machte das nichts aus, da sie sich sowieso in allererster Linie für eines interessierten: Acht warme Mahlzeiten am Tag, von denen keine verpasst werden durfte.
Kurz: Es war die Hölle auf der Welle. Denn es kam noch dazu, dass immer wieder mehrere Seetage eingeschoben wurden, auf denen das Schiff erbärmlich schaukelte. Die Bunker waren auf der Rückfahrt leer, das Essen wurde immer schlechter und unter den Insassen des Schwimmenden Altersheims hatten sich genügend Feindschaften gebildet, um für die Unterhaltung der verbiesterten und futterneidischen (!) Mitreisenden zu sorgen. Neben der nächsten Mahlzeit war das das Hauptthema jeder Unterhaltung an den Tischen. Wie furchtbar der oder die oder das sei und wer was gesagt oder nicht gesagt hat. Und was die anderen alles essen und wieviel.Und dabei habe ich Reservierungs-Decken auf den Deckchairs noch gar nicht erwähnt.
Insgesamt war es eine der übelsten und gleichzeitig teuerste Reisen meines Lebens. Selten bin ich mir so deplatziert und abgezockt vorgekommen, wie auf dieser Nordlandfahrt. 
Die Reederei wurde nicht müde, mir immer wieder die neuesten Prospekte zu schicken, die ungelesen im Altpapier landeten. Wenigstens davon dürfte ich in Zukunft verschont bleiben.
Dieses „Traumschiff“ werde ich ganz sicher nicht vermissen.

Dienstag, 21. Januar 2014

Die Motorwelt - ein POD

Vor ewigen Zeiten fuhr ich im Prinzip alles was Räder hatte. Als persönlichen, freudigen, horizontalen Personentransportierer. Es durfte nicht mehr als 1000,-- Mark kosten und hatte dem entsprechend die Angewohnheit, zu den ungünstigen Zeiten an den ungünstigsten Orten die Bewegung zu verweigern.
Obwohl schrauberisch nicht vollkommen talentfrei, überstieg die eine oder andere Panne meine Fähigkeiten der Improvisation und ich trat Deutschlands größtem Verein bei, dessen Dienste ich dann ziemlich regelmäßig in Anspruch nahm. Glücklich war, wer in Fußweite einen orangenen Telefonkasten fand. Zu Zeiten der Brieftaube war an eine mobile Kommunikation jenseits des gerufenen Wortes nämlich noch nicht zu denken.
Seitdem diesem meinem Vereinsbeitritt erreicht mich monatlich ein Druckwerk, dessen Inhalt zu wenigstens 50% aus Werbung für ADAC Reise, ADAC-Versicherungen, ADAC-Mitgliedschaften, ADAC-Schleuderkursen, ADAC-Freundschaftswerbungen usw besteht.
Ein weiterer, nicht unerheblicher Teil der Seiten wird dazu verwendet, mich über das breite Angebot an Treppenliften, Behindertentoiletten sowie Elektrorollstühlen mit und ohne und mitohne Dach und Türen und Anhänger zu informieren.
Wenn man es genau betrachtet, ist es doch eigenlich bedenklich, dass diese Fachindustrie mit Begeisterung und Hartnäckigkeit ausgerechnet in einem Organ wirbt, dessen Leserschaft sich auf Automobilisten rekrutieren soll. Irgendwann knallst auch Du vor die Wand. Oder wie?
Für meine Bildung sollte ich auch etwas tun, verrät allmonatlich die Umschlagrückseite. Man muss nur ankreuzen, was das Ziel sein soll. Schriftsteller gibt es spannenderweise auch als "Lehrberuf". Es ist immer wieder verlockend.
Und dann, aber erst dann, ist da noch der "redaktionelle Teil"...
Anfangs habe ich die "Tests" immer mal wenigstens überflogen, bis sehr schnell klar wurde, dass diese Zeitschrift sich noch viel mehr als 5. Kolonne der heimischen Automobilindustrie versteht  als Auto Mercedes und Sport. Deutsch: guuuuuut. Nichtarisch: schleeeeeecht!
Nach wenigen Jahren blätterte ich das Buntpapier nur noch durch.
Heute fliegt die Motorwelt diekt ins Altpapier, sobald ich sie aus dem Postfach hole. Abbestellen lässt sie sich ja nicht. Man ist sozusagen als Mitglied zwangsverpflichtet, die auflagenstärkste und gleichzeitig inhaltsfreieste Automobilzeitschrift Deutschlands zu erhalten.
Ich habe eine kleine, nicht repräsentative Umfrage unter Freunden und Bekannten gemacht, werde aber darob keine Engel verleihen. Nicht einmal blecherne.
Doch das Ergebnis ist frappierend.
97,3% der Teilnehmer meines Wettbewerbs halten es genau so wie ich.
Sie werfen das Blatt gleich weg.
Damit ist die Motorwelt tendenziell ein POD wie vielleicht noch die IHK-Nachrichten.
Ein Print Only Document.
Es geht nur darum, dass es gedruckt wird.
Ob es irgendjemand liest, spielt absolut keine Rolle.
Man könnte die Motorwelt auch mit Lorem ipsum füllen - und keiner würde es merken.
Lustig ist es schon, dass es jemand fertiggebracht hat, sich auf Basis eines solchen Blindtextimperiums eine gottgleiche Stellung in der Welt des Automobils zu verschaffen.
Oder wenigstens eine solche zu behaupten.
Armer Journalismus.

Freitag, 13. Dezember 2013

Neulich, kurz vor Weihnachten



Man nötigt mich wieder einmal zu Korrespondenz:

Sehr geehrte Damen und Herren,



ich muss mich SEHR beherrschen, dass ich Ihnen im Folgenden nicht noch deutlicher sage, was ich von einem Unternehmen halte, das sich aufführt wie Ihres.

Letzte Woche erhielt ich einen Werbeanruf aus Ihrem Haus. Zufällig kam mir dieser ausnahmsweise entgegen, weil ich tatsächlich eine Zweitkarte für meinen Sohn als Weihnachtsgeschenk brauchte.

Was ich definitiv NICHT brauchte, war ein Receiver. Ich wollte stattdessen 1. ein CI+ Modul und 2. alle weiteren HD Optionen für Sender wie RTL, PRO7 usw.

Ihre Mitarbeiterin zog extra noch ihre Chefin hinzu, um die Details zu klären.

Die Vereinbarung war am Ende: SKY Welt + HD + Sport + andere HD Sender + CI+ Modul + 2 Monate kostenfreie Erweiterung für knapp über 20,-- €.

Man sagte zu, das alles schriftlich zu fixieren und mir Unterlagen sowie Hardware zuzusenden.

Am Folgetag erhielt ich einen Anruf eines flockig-fröhlichen maskulinen Mitarbeiters Ihres Hauses, der mir eine Zweitkarte verkaufen wollte.

Mit einem Receiver als "Geschenk", der gleichwohl nicht mein Eigentum würde.

Ich setzte ihn in Kenntnis darüber, dass ich etwas Alternatives bereits am Vortag abgeschlossen hätte UND nannte ihm die Details.

Er fand diesen Auftrag angeblich NICHT im System, genau so wenig wie eine Information, dass mich jemand angerufen und erreicht hatte.

Ich erläuterte ihm NOCH EINMAL genau, was ich wollte.

Er würde das nun eintragen, sagte er.

Ich fragte nach, ob denn gesichert sei, dass tatsächlich GENAU meine Bestellung auch aufgenommen und bearbeitet würde.

Jaja, ganz sicher.

Da müsse ich mir keine Sorgen machen.

Das sei alles bestens.

Heute erhalte ich ein Paket von Ihnen.

Wollen Sie raten, was drin ist?

Ein gottverdammter Scheiß-Festplatten-HD-Receiver!

Wie unendlich blöde oder ignorant sind eigentlich Ihre Telefonwerber, dass die nicht einmal in der Lage sind, SICH SELBST zuzuhören, wenn sie einen Auftrag wiederholen!?

Wenn Sie wollen, dass ich das bestellte Zusatzabo aufrecht erhalte und Ihnen die Kiste nicht kurzerhand zur gefälligen Abholung vor die Tür stelle, dann schicken Sie mir SOFORT das bestellte CI+ Modul sowie ALLE notwendigen Informationen.

Und Sie lassen sich für MICH etwas Überzeugendes einfallen, damit ich Ihnen meine Arbeitszeit,die durch IHRE Desorganisation verschwendet wurde, NICHT in Rechnung stelle.

Mein Stundensatz beträgt zur Zeit 350,-- € zuzüglich 7 % MWSt.

Dafür kann man fast zwei Jahre bei Ihnen fernsehen.

Möglicherweise ist Ihnen nicht entgangen, dass der Begriff "stinksauer" bei mir als Kunde gerade eine erweiterte Definition erfährt.

Sehen Sie zu, dass Sie Ihren Laden in den Griff bekommen!



Mit freundliche Grüßen



Matthias Herbert

Dienstag, 12. November 2013

Humor ist wenn die Polizei lacht.

Warum nur muss sich offenbar JEDER Kölner für den nächsten Comedy-Superstar halten?

Beamtet oder nicht.

Eine Pressemeldung der Kölner Polizei:

Ebenfalls zu Ende war die Party für zwei Jugendliche (14,16) die um 21.40 Uhr einer jungen Frau die Perücke geraubt hatten. Polizisten hatten beobachtet, dass die Jugendlichen ihr Opfer gegen ein Domportal drängten. Bevor die Beamten das Geschehen erreichen konnten, rissen die Täter der Frau die Kostümierung vom Kopf und versuchten zu entkommen. Nach kurzer Verfolgung stellten die Beamten die Flüchtigen. Die junge Frau erhielt ihre Kostümierung zurück. Die beiden Jugendlichen müssen sich nun in einem Strafverfahren wegen Raubes verantworten.
Die vermutlich taubstumme Frau wird dringend gebeten, sich unter der Telefonnummer 0221/229-0 mit der Polizei Köln in Verbindung zu setzten.


Narrenkappe auf und: Narhallamarsch!

Sonntag, 13. Oktober 2013

Abschied von Rosa

Ist das wirklich wahr? Zwanzig Jahre ist das jetzt schon her? Man wird alt...
Es war also einmal in grauer Vorzeit, da erreichte mich über den Agenten, den ich seinerzeit noch hatte, der Hilferuf eines Produzenten. Er hätte da ein Problem. Ein sehr großes. Ein Drehbuch zu einer neuen Krimireihe - und nichts würde wirklich funktionieren. Selbstredend war alles schon geplant und der Drehstart stand fest. In ein paar Wochen. Aber nun bräuchte man Hilfe. Ganz dringend Hilfe.
Ich sagte zu, nahm mir das Buch vor. Ich verbrachte die folgenden zwei Wochen zwischen Lerchenberg und Büro. In flotter Folge gab es neue Fassungen von mir und unmittelbar darauf Besprechungen und sofort, nach Möglichkeit über Nacht, neue Fassungen. Und im Anschluss wieder sehr ermüdende Besprechungen, bei denen der eine oder andere Beteiligte wie in "Shutter Island" in dem Moment, in dem ein Resultat da war und man sich endlich verbindlich auf einen Entschluss geeinigt hatte, auf den Reset-Knopf drückte - und wieder ganz von vorne anfing. Im Prinzip war es die immer wiederkehrende Frage, wieso zum Teufel denn in dem perfekten Kreis, den man bestellt hatte, keine Ecken vorhanden wären? Oder was zum Geier Leber-, Blutwurst und Wellfleisch auf der Schlachtplatte zu suchen hätten?
Doch Rosa Roth war trotz aller Widrigkeiten ein Projekt, bei dem ich mit dem Herz dabei war und in das ich sehr viel hineingesteckt habe. Manche Dialoge aus dem Buch sind am Ende zu familieninternen Klassikern geworden, wie die lapidare Replik des russischen Gangsterbosses, als der Verräter ihn erstaunt fragt, seit wann ER sich auf die Polizei verlasse: 
"Kann jedem mal passieren."
Die Arbeit war trotzdem nervenzerfetzend und auslaugend. Aber es gelang mir am Ende dann doch, ein Buch zustande zu bringen und der Regisseur setzte es in brillante, stimmungsvolle Bilder um.
Rosa Roth - In Liebe und Tod - ist heute noch einer der ganz wenigen Filme, auf die ich stolz bin.
Es sollte aber meine einzige Folge für Rosa Roth bleiben. Nachdem der Mohr seine Schuldigkeit getan hatte, interessierte sich niemand mehr für Zusagen, auch nicht für schriftliche. Die Vereinbarung, mindestens noch die beiden nächsten Folgen zu verfassen, wurden kurzerhand in ein Vorschlagsrecht ohne irgendwelche Verpflichtungen umgedeutet, immer neue und andere Leute tauchten im Rahmen der Produktion auf und hatten immer neue und andere Ideen und nur eines gemeinsam: Von mir wollten sie alle nichts wissen.
Nachdem dann auch noch irgendwann sogar der Produzent ausgetauscht wurde, hatte ich überhaupt keine Verbindung mehr zu dem Format und seinen Machern. Ich habe später dann selbst nie wieder versucht, vielleicht noch einmal den einen oder anderen Fall beizusteuern.
Nun hat sie also ihren letzten Fall gelöst, die Dunkelhaarige im hellen Mantel, dessen makellose Sauberkeit zum Running Gag der Produktionen werden sollte.
Es war für mich damals nicht der erhoffte Aufstieg zu den "Großen" der Zunft, denen man die Entwicklung bedeutender Formate anvertrauen würde. Ganz gleich, wie gut und schnell ich gearbeitet hatte, man respektierte mich deswegen noch lange nicht. Dazu war ich zu renitent, wohnte nicht in der richtigen großen Stadt und kannte nicht die richtigen Leute intim genug. 
Unabhängig davon gehört Rosa Roth zu meinen eigenen Lieblingswerken.
Denn ab und zu (leider viel zu selten), geschieht es sogar in diesem Business, dass am Ende ein Film herauskommt, der dem entspricht, was der Autor sich beim Schreiben gedacht hat.
Kann jedem mal passieren...

Sonntag, 18. August 2013

Serienmörder findet gestohlene Bibel wieder



Beruflich befasse ich mich ja damit, mir schlimme Taten böser Menschen auszudenken. Privat liebe und sammele ich alte Bücher. Auf der Suche nach historischen Druckwerken stolperte ich nun nun unversehens in einen realen Kriminalfall, der Polizei und Landeskriminalamt zweier Bundesländer mehrere Tage lang in Atem hielt.
Bei der Suche nach alten Büchern im Internet war ich auf eine Bibel gestoßen, die mich interessierte. Normalerweise fasse ich nichts an, was jünger ist als 1800. Diese Bibel war aus dem Ende des 19. Jahrhunderts und damit für mich eigentlich deutlich zu jung. Doch sie war von Königin Viktoria Auguste mit einer handschriftlichen Widmung zur Weihung einer Kirche versehen. Das weckte mein Interesse, genauso wie das mehr als selbstbewusste Preislabel des Anbieters. Der hatte in der Annonce vermerkt, dass er das Stift, dem das Buch gewidmet war, in Berlin vermutete, aber nicht gefunden hätte. Merkwürdigerweise fand
corpus delicti
ich bei meinen Recherchen schnell heraus, dass das betreffende Evangelische Johannesstift noch existierte. Ganz offensichtlich war die Bibel von der Königin-Kaiserin zur Weihung der Kirche geschenkt worden. Das machte mich nun etwas misstrauisch. Denn eine von einer Königin gewidmete Bibel wirft man sicher nicht weg, verkauft oder verschenkt sie gar. Meine Vermutung war nun, dass die wertvolle Bibel entweder in den Kriegsjahren evakuiert und nicht wiedergefunden wurde oder nach dem Krieg als Beute mitgenommen und irgendwo vergessen wurde (das Angebot kam aus Brandenburg). Um der Sache auf den Grund zu gehen, setzte ich mich mit dem Stift in Verbindung.
Meine kriminalistische Spürnase hatte mich nicht getrogen! Die Bibel war tatsächlich gestohlen. Aber nicht schon vor 70 Jahren! In Berlin war die Aufregung groß, als man dort erfuhr, dass die 2004 bei einem Einbruch entwendete Bibel wieder aufgetaucht war! Ich gab alle Daten, die ich von Angebot und Anbieter hatte, weiter. Seitens des Johannesstifts holte man sich polizeilichen Rat. Doch als man sich mit dem Verkäufer in Verbindung setzte, war dieser bereits misstrauisch geworden. Dazu kam, dass er über die Herkunft der Bibel nur sehr vage und fantasievolle Angaben machen konnte. Angeblich hatte der Hobbyantiquitätenhändler sie erst eine Woche vorher in Berlin gekauft. Er hatte außerdem den Angebotspreis um 2/3 heruntergesetzt, offenbar, um die Bibel möglichst schnell zu verkaufen. Als ihm klar wurde, dass man ihm auf der Spur war, bestand sogar plötzlich die Gefahr, dass er sich des für die Geschichte der Stiftung kostbaren Stückes entledigen würde, um nicht als Hehler verfolgt zu werden.
Erst eine schnelle Intervention des Landeskriminalamtes, bei dem dem Anbieter eine goldene Brücke gebaut wurde, bewirkte, dass eine Rückgabe der Bibel vereinbart werden konnte. Tatsächlich konnte der Pressesprecher des Stifts dann das lange vermisste Stück bei einem konspirativen Treffen in Berlin in Empfang nehmen. 
Die Bibel soll baldmöglichst wieder ihren alten Platz im Museum des Evangelischen Johannesstifts einnehmen. Den Entdecker des Buches hat das dankbare Stift zu einem Besuch nach Berlin eingeladen, ein Angebot, das ich bei nächster Gelegenheit gerne annehmen werde.
„Einmal Polizist – immer Polizist“, könnte man meinen. Der Bauch, auf den ich viel öfter hören sollte, jedenfalls hatte mir mit einem Grummeln sofort verraten, dass da etwas nicht stimmte. So habe ich also einen echten Kriminalfall gelöst. Es ist ja nicht das erste Mal. Vor 20 Jahren machte ich schon einmal Schlagzeilen, als ich einen Serieneinbrecher fing. Aber das ist eine andere Geschichte…